Mit der Betreuungs-Rikscha am Festspielhügel
„Ich hab sie meine zwei Bayreuther Engel genannt“. Anke Karin Krieg aus Berlin ist wegen einer bevorstehenden Hüft-OP stark gehbehindert und kommt trotzdem zu den Ring-Aufführungen auf den Grünen Hügel. Der Rikscha sei Dank.
In ihrer Wahlheimat Berlin schätzt Anke Karin Krieg vor allem das üppige kulturelle Angebot und nutzt es auch. Genauso fasziniert sie Richard Wagners Musik und so zieht es die 75-jährige Steuerberaterin, die heute noch in ihrem Ein-Frau-Büro arbeitet, seit sechs Jahren zur Festspielzeit immer wieder mal nach Bayreuth. Sie weiß sehr gut um die Probleme mit öffentlichen Verkehrsmitteln im ländlichen Raum und kümmert sich früh um eine Möglichkeit, das Festspielhaus zu erreichen. „In anderen Städten, wie in Köln zum Bespiel, habe ich gute Erfahrungen mit kommerziellen Rikscha-Fahrdiensten gemacht.“ In Bayreuth fand sie nichts Entsprechendes, stieß aber bei ihren Recherchen auf das Rikscha-Netzwerk der Alzheimer-Stiftung und auf Stefan Keßler. „Das war wunderbar für mich“, berichtet sie. „Und ich war heilfroh, bis vor die Tür gefahren zu werden. Ganz anders als viele ältere Herrschaften, die ich beobachten konnte, und die sich nur mühsam den Berg zum Festspielhaus hinaufbewegten.“ Für Anke Karin Krieg ist es unverständlich, dass bereits am Fuß des Festspielparks die Auffahrt auch für Radfahrer beispielsweise gesperrt werden muss. Nur mit Ausnahmegenehmigung sei die direkte Anfahrt möglich. Umso glücklicher ist die Berlinerin, für die vier Ring-Aufführungen mit Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung dank Betreuungs-Rikscha, die von der Kurier-Stiftung „Menschen in Not“ finanziert wurde, direkt vor das Hauptportal gefahren zu werden. Überschwänglich bedankt sie sich bei ihren zwei Rikscha-Fahrern, die sich in den Tagen ihres Bayreuth-Aufenthalts abwechseln. „Stefan Keßler und Harald Deinlein, meine zwei Bayreuther Engel habe ich sie genannt.“
Doch Stefan Keßler hat noch mehr in sein Überraschungs-Paket gepackt. Am zweiten Tag wird Anke Karin Krieg vor dem Portal von Katharina Wagners Assistenz ins Büro der Festspielleiterin geleitet. Eine halbe Stunde lang war Zeit für ein intensives Gespräch mit Katharina Wagner. „Das war großartig. Ich habe sie sehr unprätentiös und nahbar erlebt“, berichtet Anke Karin Krieg. Und sie habe auch mit ihrer Kritik an der KI-generierten Ring-Aufführung nicht hinter dem Berg gehalten. Es sei ein willkürlich zusammengetragenes Sammelsurium aus 150 Jahren Festspielzeit gewesen. „Da haben Nerds eine konzertante Aufführung mit einer stets wandelnden Bilderwelt versehen, wie Schrauben, Werkzeuge, die Olympischen Ringe, aber auch Fotos von Hitler oder Kennedy. Das alles hat nur abgelenkt vom eigentlichen Geschehen.“ Ganz besonders ärgerlich fand Anke Karin Krieg die „lächerlichen Kostüme“, in die man die Sängerinnen gesteckt habe, und da habe selbst Katharina Wagner ihr zugestimmt. Es sei ein gutes Gespräch gewesen, resümiert die Berlinerin, auch mit persönlichen Inhalten, die sie aber lieber für sich behalten möchte. Fotos dürfen keine gemacht werden, „und Katharina Wagner dann um ein Selfie zu bitten, das war mir dann doch zu blöd“.
Tags darauf, am aufführungsfreien Tag, feiert Anke Karin Krieg ihren 75. Geburtstag und Stefan Keßler fährt sie in der Rikscha durch den Botanischen Garten. Am Bachlauf entlang und durch die Prärie. Auch das ist seit Jahren dank einer Sondergenehmigung der Universität möglich. „Ein herrlicher Garten. Das ist etwas ganz Besonderes.“ Ob sie wieder nach Bayreuth kommen wird? „Nächstes Jahr wahrscheinlich nicht“, resümiert sie. Das Inszenierungsexperiment mit Künstlicher Intelligenz hat sie doch sehr irritiert. Auch wenn die gebürtige Ilmenauerin mit Sicherheit Wagnerianerin bleiben wird. „Wagner hat die Menschen sehr gut verstanden. Seine Musik geht über das Irdische hinaus, geht in höhere Sphären, ohne religiös zu sein.“
Und noch etwas hat ihr imponiert: „Das wunderbare Netzwerk der Rikschas.“ Mit einer Spende bedankt sie sich bei der Alzheimer-Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach für die intensive Betreuung.
Hier finden Sie den Beitrag zur Anschaffung der Rikscha.
Lesen Sie hier den Bericht zur Heinersreuther Rikscha.

