Lebensmittelgutscheine
Schnell vor allem musste es gehen, als vor über drei Jahren die Aktion Lebensmittelgutscheine für bedürftige Senioren gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) begann. Jetzt stellt die Kurier-Stiftung „Menschen in Not“ das Projekt breiter auf. In erster Linie, um den enormen Ansturm, den die AWO seit Wochen erlebt, abzufedern, und um weitere Partner und damit auch Ansprechpartner zu haben.
Marion Tost, Vorständin der Arbeiterwohlfahrt Stadt, hatte die unkomplizierte Ausgabe von Gutscheinen für Senioren, die wegen steigender Lebensmittelpreise in finanzielle Engpässe geraten waren, initiiert und mit der Kurier-Stiftung einen verlässlichen Partner für die Finanzierung gefunden. Über 70.000 Euro sind in der Zwischenzeit in das Projekt geflossen, unzähligen Senioren wurde geholfen. Im Beratungsraum der AWO in der Spitzwegstraße 69 wurden die Lebensmittelgutscheine im Wert von jeweils 30 Euro ausgegeben.
Verbessert hat sich die Situation in der Zwischenzeit nicht. Ganz im Gegenteil. Explodierende Energiepreise, hohe Inflation – viele Bürger haben große Probleme, das eigene Leben zu bezahlen. Und besonders die ältere Bevölkerung trifft das. „Viele beziehen kleine Renten oder leben gar unter der Armutsgrenze.“ Das verdeutlichen auch Zahlen aus dem Landratsamt Bayreuth. Aktuell beziehen 308 Senioren Grundsicherung im Alter, lautet die Information aus der Pressestelle. Ab dem Jahr 2022, dem Beginn des Ukraine-Krieges, sei ein deutlicher Anstieg der Leistungsberechtigten zu erkennen. Die Tendenz habe sich auch nicht geändert: „Die Anzahl der Leistungsempfänger ist weiterhin leicht steigend,“ sagt Pressesprecherin Karen Görner-Gütling.
Entsprechend groß auch der Ansturm auf die AWO in der Spitzwegstraße. Allerdings merke man, so Tost, dass häufig immer derselbe Kreis Gutscheine abhole – zugleich wisse man aber, dass die Zahl der Menschen, die möglicherweise Anspruch auf diese Hilfe hätten, deutlich größer sei. Tost: „Man muss grundsätzlich darüber nachdenken, wie ein breiterer Kreis von Menschen erreicht werden könne, der auf Unterstützung angewiesen ist. Und wir müssen schauen, wie wir hilfsbedürftigen Menschen klar machen können, dass sie ohne Scham und Angst zu uns kommen können.“ Die Konsequenz für die Arbeiterwohlfahrt: Die Arbeiterwohlfahrt kümmert sich um einen kleineren Kreis von Bedürftigen, die weiterhin in einem bestimmten Turnus mit Gutscheinen versorgt werden. Es gibt allerdings keine freien Ausgabetermine mehr.
Die Konsequenz für die Kurier-Stiftung „Menschen in Not“: Das Projekt wird auf eine breitere Basis gestellt. Lebensmittelgutscheine werden künftig auch über das Seniorenamt der Stadt Bayreuth und bei präventiven Hausbesuchen der Mitarbeiter verteilt, um auch verstärkt diejenigen zu erreichen, die aus falsch verstandener Scham keine Hilfe direkt aufsuchen. Till Salzmann, der Leiter des Seniorenamtes, und sein Team sind glücklich über diese Lösung: „Die Stiftung ist für die Mobile Seniorenberatung ein wichtiger Ansprechpartner. Mit ihrer Unterstützung können wir gemeinsam älteren Menschen in Notsituationen unkompliziert helfen.“
Und als dritter im Boot steigt der Kreis der Berufsbetreuer in Bayreuth und in Kulmbach in das Projekt mit ein. „Eine Mega-Aktion“, sagt Christian Kaul, der als Leiter einer Serviceagentur auch die regelmäßigen Treffen der verschiedenen Berufsbetreuer organisiert. „Viele von uns sind sehr nahe dran an dem Thema Altersarmut, wenn sie Senioren betreuen.“ Das betont auch Betreuerin Marion Müller beispielsweise, die über die Kurier-Stiftung bereits Lebensmittelgutscheine erhalten hat und damit den von ihr betreuten Senioren im Pflegeheim, die nur über ein geringes Taschengeld verfügen, vor Weihnachten eine kleine Freude bereitet hat. „Ich kam mir da vor wie das Christkind persönlich,“ sagt sie. Auch Christian Kaul sieht das als sinnvolle Maßnahme, die auch vertrauensbildend für die Arbeit der Betreuer sein kann. „Wir müssen oft das wenige Geld unserer Klienten einteilen, das zaubert ihnen nicht unbedingt ein Lächeln ins Gesicht.“ Da könne es dann schon hilfreich sein, mit einem Lebensmittelgutschein für etwas Erleichterung zu sorgen. „Wir freuen uns auf das Projekt“, sagt er. Hans-Udo Sadler, seit Jahrzehnten in der Sozialarbeit der Diakonie tätig, und jetzt Regionalbeauftragter für Bayern des Berufsverbandes der freien Berufsbetreuer, ergänzt: „30 Euro, das ist für einen Bürgergeldempfänger eine Menge Geld.“

