Schwangerenberatung
Die Probleme sind immer ähnlich: Bis staatliche Hilfe greift, dauert es. Und genau dann überbrückt die Kurier-Stiftung mit Lebensmittelgutscheinen. Jetzt auch bei den zwei staatlich anerkannten Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen, die es in Bayreuth gibt.
Katrin Bauer und Rebecca Sausner von der Beratung am Landratsamt Bayreuth haben sich an „Menschen in Not“ gewandt mit der Bitte, Gutscheine, die bisher nur für die Unterstützung bedürftiger Senioren zur Verfügung standen, auch für ihre Klientinnen einsetzen zu können. Die Unterstützung, die sie für werdende Mütter und Familien leisten, bedeutet häufig jede Menge Papierkrieg. Anträge müssen gestellt, beziehungsweise Formulare erst einmal verstanden werden. Es geht darum, Fristen einzuhalten, Möglichkeiten aufzuzeigen, unter Umständen auch Widerspruch einzulegen, auf Wunsch auch bei Behördenbesuchen zu begleiten. Bauer: „Unser Ziel ist es immer, die Familien oder Alleinerziehenden in die Unabhängigkeit zu bringen.“ Und normalerweise funktioniert das auch gut, ist die Erfahrung der beiden. Katrin Bauer: „Nach etwa vier bis fünf Monaten sind die meisten Probleme auch gelöst.“ Doch der Weg dahin ist nicht einfach, vor allem dann nicht, wenn auch noch medizinische Probleme dazukommen, die Schwangerschaft sich als schwierig herausstellt und die werdende Mutter keinen Gedanken an Formalien verschwenden mag. Dann suchen die beiden Beraterinnen die Familien auf Wunsch auch auf.
„Wichtig ist für uns das Netzwerken,“ erklärt Katrin Bauer. „Wir sind mit den anderen Ämtern und Behörden in engem Austausch und nutzen bei Bedarf die kurzen Dienstwege.“ Bei rund 400 Beratungsgesprächen, die es allein im vergangenen Jahr nur im Landratsamt gab, ist das enorm wichtig. Doch die Prüfung der jeweiligen Situation dauert einfach. „Oft müssen noch Unterlagen nachgereicht werden.“ Und besonders kompliziert wird es, wenn beispielsweise ein Ehepartner im europäischen Ausland arbeitet und immer wieder pendelt. „Dann ist das Land für Leistungen zuständig, in dem ein Ehepartner arbeitet“, erklärt Bauer. Sollten die Leistungen in diesem Land aber niedriger sein als in Deutschland, wird der Differenzbetrag an die Familien gezahlt.
In solchen und ähnlichen Fällen kann auch ein Lebensmittelgutschein im Wert von 30 Euro schon sehr hilfreich sein, um eine gewisse Zeit zu überbrücken, bis staatliche Leistungen fließen, sagt Katrin Bauer, die sich riesig über die unkomplizierte Unterstützung seitens der Kurier-Stiftung freut. Elterngeld beispielsweise, das einkommensabhängig gezahlt wird, kann für maximal zwölf bis 14 Monate (Basiselterngeld) oder flexibel in Form von ElterngeldPlus bezogen werden. „Und oft dauert es lange, bis das Elterngeld genehmigt ist,“ berichtet Sausner aus ihren Erfahrungen. „Auf Kinderzuschlag und Wohngeld warten die Betroffenen oft noch länger.“ Hinzu kommt, dass der Kinderzuschlag alle halben Jahre neu beantragt werden müsse. Ein weiteres Problem, das häufig auftritt: Weil viele Paare zusammenziehen, wenn die Frau ein Kind erwartet, werden die Leistungen neu berechnet. „Manche liegen mit ihrem Einkommen knapp über den Grenzen für das Bürgergeld. Da wird es dann auch oft eng.“
Wie intensiv die Beratung in Anspruch genommen wird, sei sehr unterschiedlich, sagen Bauer und Sausner. „Manche Familien begleiten wir lange, manche melden sich alle paar Monate, manche nur zum Erstgespräch. Je nachdem, welche Probleme und Schwierigkeiten auftreten.“ Worin sich die beiden einig sind: „Wir weisen niemanden, der eine Frage hat, ab.“ Um die Hemmschwelle zu beseitigen, die bei vielen angehenden Müttern auftaucht, wenn sie eine Behörde aufsuchen, organisieren die beiden Beraterinnen ein Walk & Talk, ein offenes und niedrigschwelliges Gruppenangebot der staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen am Landratsamt Bayreuth. „Wir möchten (werdenden) Eltern einen niedrigschwelligen Raum für ihre Fragen, Wünsche und auch Sorgen rund um die Themen Eltern werden oder Eltern sein bieten und einen leichten Zugang zu Fachpersonen und anderen Eltern mit ähnlichen Anliegen ermöglichen. Bei einem gemeinsamen Spaziergang um den Röhrensee können Kontakte geknüpft und Erfahrungen geteilt werden. Begleitet wird die Gruppe von den Beraterinnen der staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen im Landratsamt Bayreuth sowie ausgewählten und thematisch passenden Referentinnen aus der Region Bayreuth“, heißt es auf der Homepage des Landratsamtes.
„Jede Beratung ist individuell“, darauf legt auch Andrea Röderer-Grüner von der staatlich anerkannten Schwangeren-Beratungsstelle der Diakonie größten Wert. Im fünften Stock des Hauses in der Kolpingstraße 1 angesiedelt – glücklicherweise gibt es einen Aufzug – waren es im vergangenen Jahr fast 1.000 Beratungsgespräche, die geführt wurden. 666 Frauen oder Angehörige haben davon profitiert. Bei 20 sexualpädagogischen Gruppenangeboten wurden 315 Teilnehmer erreicht, berichtet Röderer-Grüner. Und oft, sehr oft sind es finanzielle Schwierigkeiten, die bei den Gesprächen mit den Frauen und Männern im Fokus stehen. Vor allem bei Alleinerziehenden oder bei Paaren, bei denen sich die Trennung abzeichnet. Oder wenn das dritte Kind erwartet wird und das Geld in der Familie bereits jetzt knapp ist. „Die Unsicherheit um den Arbeitsplatz, die überall herrscht, auch die Wohnungsnot, die merken wir auch hier bei uns“, sagt Röderer-Grüner. Oft entstünden Lücken, die überbrückt werden müssen. „Bei Übergängen von der Grundsicherung auf Lohn etwa oder bei der Beantragung von Wohngeld. Das ist alles nicht so einfach und braucht manchmal viel Vorlauf“. Und genau in solchen Fällen ist schnelle, unbürokratische Hilfe gefragt. Zum Beispiel, um einfach noch einen Einkauf tätigen zu können, um ein Wochenende zu überbrücken. Und die hat Röderer-Grüner mit ihrem Team jetzt in der Schublade. Lebensmittelgutscheine der Kurier-Stiftung „Menschen in Not“ für den ärgsten Notfall.
In Bayreuth gibt es zwei Schwangerschafts-Beratungsstellen, damit die angehenden Mütter und auch die Väter Wahlfreiheit haben, von wem sie sich beraten lassen wollen. Die Mitarbeiter unterliegen – wie Ärzte auch – der Schweigepflicht. Beide Beratungsstellen werden bei Bedarf von der Kurier-Stiftung mit Lebensmittelgutscheinen versorgt.

